MZ Einzelsitze montieren und Erfahrungen

 

Die Einzelsitze der MZ fürs Militär sind selten, stark gefragt und entsprechend teuer, lohnt sich das "Be-sitzen"?



Wer sie hat - hat hat es geschafft: Die MZ Einzelsitze gelten als "die Krönung" eines jedes MZ Oldtimers. Viele MZ-Fans tauschen die Sitzbank an verschiedensten Modellen gegen einen oder zwei Einzelsitze im Oldtimerstil. Leider sind diese selten und daher unverschämt teuer. Auch meine Wenigkeit konnte sich dem verlockendem Charme eines echten "Zweisitzer-Oldtimer-Ost-Krads" nicht entziehen. Ein Motorrad-Oldtimer von Baujahr 1969 sieht damit einfach nochmal 20 Jahre älter aus. Es ist eine Symbiose zwischen Fahrradledersattel, uriger Harley und uraltem Vorkriegs-Motorrad-Material.

 

Die Ausgangsbasis typischer MZ Einzelsitze




Durchgesessen, verrostet und immer auf jeden Fall mit gerissenem Gummibezug von 40 Jahren Sonneneinstrahlung, so kommen typische Exemplare zum Verkauf daher - falls man sie überhaupt irgendwo gebraucht findet. Ein Set besteht bei der MZ ES 175-250/2 aus zwei Einzelsitzen, von denen der Hintere mit einer zusätzlichen Blechwanne als großer Werkzeugbehälter dient - der kleine Alu-Werkzeugbehälter wird ausgebaut. Um den Fahrersitz zu montieren muss bei der MZ 250 ES/2 zunächst das ursprüngliche Werkzeugfach demontiert werden. Ältere Modelle wie die ES 250 / ES 300 haben in der Wanne des Fahrersitzes noch den Luftfilter sitzen. Diese alten Einzelsitze sind mit den neueren MZ ab 1967 nicht kompatibel. Neben dem Schaumstoffkern gibt es noch eine Federkernvariante, die mit Ihren Spiralfedern innen aussieht wie von Omas Sofa. Mir ist nicht bekannt, welche der beiden Varianten bequemer ist, vermutlich der Schaumkern. Die Original-Einzelteile sind wie so oft bei MZ nach 40 Jahren oberflächlich in einem derangiertem Zustand. Dies ist aber oft nur ein optisches Hindernis.


Die Federkern-Version des MZ Einzelsitzes: Omas bequemer Ohrensessel lässt grüßen!


Das chromatierte Blech des hinteren Einzelsitzes war schlecht lackiert und rostete stark von innen. Also Rost abschrubben, Farbe abbeizen, mit Sandpapier glätten und dann neu lackieren.



Lackiert wurde "nackt aufs Blech" mit qualitativ hochwertiger Korrosionsschutzfarbe auf Pinsel und Rolle. Ich hatte durch zwei, drei Pinselstriche Tage vorher getestet ob sich eine neue Farbschicht mit der alten Farbe überhaupt verträgt. Bei alten DDR-Lacken weiß man nie genau ob Kunstharz oder Acryllack verwendet wurde. Da sich nicht alle Farben vertragen, sollte man vorher mal eine Probe mit seinem Wunschlack auftragen und ein paar Stunden warten. Rechts im Foto die hintere Einzelsitz-Wanne vor dem Abschleifen und Abbeizen: Unter der schwarzen Farbe un dem Rost versteckt sich der MZ-Militärlack olivgrün.

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Nach 3 Stunden abbeizen, abwaschen, Schleiferei und kleineren begradigenden Blecharbeiten endlich die erste Schicht Farbe. Es folgte noch eine Zweite per Rolle. Man kann selbst gestrichene / gerollte Metallic-Lacke zum Glänzen bringen, indem man diese nach völliger Aushärtung mit einer scharfen Polierpaste aufpoliert. Dies habe ich mir bei den Einzelsitzen aber zunächst erspart, da sich der bunte Farbauftrag auf die Wergzeugschale reduziert.



Neue, dicke Nachbau-Gummidecken werden verschraubt. Bei dem hintern Sitz muss das Gummi zwecks Abdichtung auf der Werkzeugschale liegen, um klapperfrei abzudichten. Beim vorderen Sitz erfolgt die Verschraubung mit zusätzlichen, flächigen Blechschienen statt nur den Scheiben. Der Nachbaubezug von "Möwe" ist nicht ganz billig, macht qualitativ aber einen recht guten Eindruck. Wie bei allen Gummiteilen ist direkte Sonnenbestrahlung langfristig Gift für die Bezüge. Gummi kann man Vaseline- oder noch besser mit Sonnenschutzcreme (kein Scherz!) pflegen und erhalten.



Kommen wir zu den gravierenden Unterschieden zwischen MZ-Sitzbank und MZ-Einzelsitzen: Aufällig viele MZ- Forumsmitglieder erklären die seltenen Einzelsitze für erheblich bequemer als die Sitzbank der ES, ETZ usw. Ich kann das nbach den ersten Probefahrten so 1:1 nicht ganz nachvollziehen. Ein scheinbar besonders intensiv verschwiegener Nachteil gegenüber der Sitzbank ist die schlechte Positionsfreiheit des eigenen Hinterns gegenüber der MZ-Sitzbank: Man kann einfach nicht so aalglatt bei 100km/h abducken und eine sportliche Haltung "nach hinten" einnehmen, weil hinten eben gleich eine Stufe zu einem häheren Beifahrersattel ist. Es geht aber trotzdem: Dafür müssen die Einzelsitze aber ergonomisch so aufeinander ausgerichtet werden, dass ein stufenloser Übergang mit dem Po auf den hinteren Sitzplatz möglich sind. Die Linie oben im Bild zeigt rechts ein optimiertes Sitzpositions-Ergebnis.

 

Montage und Ergonomie der Einzelsitze




Links die flache Standard-Montage der hinteren Einzelsitz-Blechwanne, rechts die hohe Variante mit zwei untergelegten Stoßdämpfergummis. Schon allein Aus optischen Gründen habe ich mich dann für eine mittlere Postion des Einzelsitzes entschieden. Das alte MZ-Steckschloß kann wieder benutzt werden, hakelt beim Rausziehen aber etwas unkomfortabel.



Die fertige Montage an meiner alten MZ. Der Beifahrer ganz geringfügighöher, beide Einzelsitze bilden aber quasi eine fast stufenlose Fläche, auf der der man fast so herumrutschen kann, wie auf der urprünglichen MZ-Sitzbank. Für mich war dieser Punkt wichtig, da schon ein leichtes Abducken eine spürbar bessere Aerodynamik bringt. Dies verbietet auch das Anbringen des dicken Original-Metallhaltebügels zwischen den Eizelsitzen, ich habe ihn gegen einen flexiblen MZ Sitzbankriemen ersetzt. Auch der TÜV sieht den Original-Stahlbügel nicht gern, da er eine gewisse Verletzungsgefahr bildet. Mit dem Sitzbankriemen kann die MZ übrigens nicht gut rangiert- auf den Ständer gehievt oder rückwärts gerollt werden, weil der Riemenkeinen keinen festen Halt bietet. Es ist kein Ersatz für den zusammengebogenen Chrombügel der ETZ, den ich hinten in den Rahmen meiner ES 250/2 steckt habe.



Der hintere Sitz kann natürlich wieder prima als Gepäckträger genutzt werden, auch wenn sich die Haken der Gepäckspinnenicht ganz so perfekt befestigen lassen wie bei der Sitzbank. Hier würden zwei oder vier zusätzlich geschraubte Gepäckösen Sinn machen. Ich habe mir noch eine zweite, hintere Einzelsitz-Bodenplatte besorgt, dass ich zum Gepäcktransport quasi nur als festen Deckel ohne Polster gegen den hinteren Einzelsitz austauschen kann. Diesen möchte ich noch lackieren evtl. mit Moosgummi beziehen oder eine Gepäckträger-Reling aufschrauben. Dann hat man eine ganz gerade Stellfläche, die perfekt für den Gepäcktransport geeignet ist: Beziehungsweise eine schicke Blech-Werkzeugbox mit flachem Deckel, die für kurze Fahrten evtl. auch mal als Notsitz für die Sozia dienen kann. Diese wird sich natürlich lieber auf den komfortabel gepolsterten Einzelsitz statt auf eine harte "Rennsitzplatte" setzen...

 

Fazit MZ- Einzelsitze



Die Konstruktion der alten DDR-Einzelsitze ist genial: Mit minimalem Materialeinsatz wir das größtmögliche, stabilste Ergebnis erzielt. Der dicke Gummi des Bezugs dichtet die Blechwanne ab. Das Ganze ist dann nicht nur durch die Polsterungshärte noch ziemlich bequem und vor allem fernreistauglich, da beide Sitze extrem breit sind und sehr viel Fläche für die eigenen vier Buchstaben bilden. Trotz allem ist eine vernünftig aufgepolsterte Sitzbank für die Reise sicherlich ebenfalls genauso begehrenswert. Bei den Einzelsitzen fährt eben noch ein Stück Nostalgie der 60er Jahre mit.

bequeme, ausgewogene Polsterung mit breiter Sitzfläche, tourentauglich
sitzt sich auch an warmen Tagen nicht durch und ist etwas härter als die Original-ES-Sitzbank
stabiler, dickwandiger Gummi-Sitzbezug der einiges wegsteckt, aber gegen Sonne geschützt werden sollte
knapp doppelt so große Werkzeugbox, die neben dem Werzeug auch mal eine Ölflasche beherbergen kann
unschlagbare, nostalgisch authentische Optik, die der alten MZ besser steht
Möglichkeit den hinteren Einzelsitz in Sekunden gegen eine andere Variante zu tauschen (z.B. mit Gepäckträger etc.)

hakelige Steckschlossführung, die beim Abnehmen des hinteren Einzelsitzes etwas Übung erfordert
Einzelsitze sind gesuchte MZ-Oldtimerteile mit hohem Anschaffungspreis


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