Gewindereparatur & Instandsetzung der vorderen MZ Schwingenlager

 

Vordere MZ Schwinge wackelt, klappert, hat Spiel, knackt, das Vorderrad hüpft und die Bremsen rubbeln?

Ich habe mich selbst lange vor einer Gewindereparatur gedrückt, will Euch mit dieser Fotoreportage aber Mut machen es ruhig selbst zu versuchen. Die vordere Schwinge der MZ ist samt Lenkkopflager eine sehr robuste Konstruktion, wenn man sie richtig handhabt und sie fachgerecht zusammenbaut. Beide Gewinde der Verdrehsicherung für die vordere Steckachse waren beim Kauf der uralten MZ schon defekt. Irgendwann fehlte eine Schraube in der Schwinge, vorher habe ich 6.000 km nichts bemerkt. Das liegt daran, dass diese Gewinde mit Fingerspitzengefühl angezogen werden müssen, da sie direkt im weichen Magnesium ("Kokillenguss") der vorderen MZ-Schwinge sitzen. Einmal angeballert zerbröseln die Gewinde und die Schwingenachse verdreht sich nicht nur, sondern lockert sich immer mehr in Ihrer eigentlich bombenfest sitzenden Passung. Laut Handbuch soll die Achse relativ fest in der Schwingenaufnahme sitzen - man muss sie zum Wechsel der Lager vorsichtig mit mehreren, passenden Hülsen herauspressen. Keinesfalls hart mit einem großen Hammer schlagen, weil sonst die Achse keilförmig aufspreizt und nie mehr aus dem Schwingenträger herauskommen wird!


Zunächst besorgt man sich einen passenden Gewindereparatursatz für M8 Schrauben (zumindest bei der MZ ES 250/2 ist es M8). Diesen gibt es von verschiedenen Herstellern z.B. Helicoil, Baercoil, Würth, Recoil für ca. 25 - 30,- EUR. Darin enthalten sind meist einige wenige Gewinge-Einsätze, ein Spezialwerkzeug zum Eindrehen und der passende Bohrer zum aufbohren des alten Gewindes. Bevor man das Gewinde aufbohrt sorgt eine leichte Phase für einen zentrierten Ansatz des Bohrers, der sich bei solchen Größen ziemlich gern verkantet. Alles gut einspannen, Motorradlenker voll eingeschlagen mit Seil oder Draht festbinden, Maschine auf den Hauptständer stellen, Bohrmaschine schön festhalten. Bevor ich die Schwingenachse ausbaute, machte ich erstmal eine kleine Probebohrung, ob es mit meinem Werkzeug ohne eine Fachwerkstatt überhaupt möglich war, ein ordentliches Loch in das über 40 Jahre alte MZ-Guss-Material zu bekommen.




Der Bohrer ging sofort zur Sache, also zog ich die Schwingen-Achse heraus und bohrte das Loch durch. Der Rest, also Federbeine, Vorderrad, Bremse usw. blieb alles am Motorrad dran. Ein Ausbau des gesamten Schwingenträgers ist bei diesem, relativ weichen Material auch nicht nötig.

Werbung




Nach dem Eindrehen des Gewindeeinsatzes stellte sich heraus, dass er etwas zu lang ist. Der Einsatz muss leicht in das Material eingesenkt werden, damit sich die Schraube am Schwingenträger fest abstützt und nicht am Gewindeeinsatz, der sich unter Spannung wieder aus seinem selbstgeschnittenen Gewinde herausdrehen kann. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Innen abfeilen oder außen abfeilen. Ich entschied mich für Innen. Achtung, den Einsatz nicht zuweit eindrehen, man bekommt ihn sonst nicht mehr heraus (zumindest bei meinem Baercoil-System). Jede halbe Umdrehung bei den letzten Gewindezügen will also gut überlegt sein!


Der Gewindeeinsatz die rechten Seite ist nun weit genug eingelassen....


...und wird von innen so gut es geht abgefeilt. Die Passung muss natürlich von Spänen penibel gereinigt werden, da die Schwingenachse ja hier durch sauber in die eigentlichen Schwingen-Gleit-Lager rutschen muss. Es ist meiner Meinung nach übrigens ein Ammenmärchen, dass die Schwingenbolzen bzw. - Lager alter MZ-Motorräder gern ausgeschlagen sind. Vielmehr glaube ich mittlerweile, dass viel öfter die gesamte Achse in der Passung wackelt, statt fest eingepresst zu sitzen. Dies ist die eigentliche Achillisferse, da zwei verschiedene Metalle eingepresst - aber doch mit Hausmitteln irgendwie lösbar- in einer völlig spielfreien Passung bombenfest sitzen sollen. Deshalb ist eine intakte Verdrehsicherung eben auch so wichtig. Angedacht war auch die Achse mit Schraubenkleber oder ähnlichem noch zusätzlich zu sichern. Allerdings ist die Chance groß, dass man sie dann nie wieder los bekommt und bei wirklich verschlissenen Lagern dann den ganzen Schwingenträger mit Schwinge und Achse verschrotten muss. Dass es sich hierbei um ziemlich gesuchte und daher relativ teure Ersatzteile handelt, dürfte wohl jedem klar sein. Also - rettet die Schwingen.


A propos Ersatzteile: Ist die Achse noch einwandfrei, sollte man es trotzdem nicht versäumen neue Dichtungen und neue Lager-Anlaufscheiben für ein paar Euro zu besorgen. Die Achse muss mit den Bohrungen nach unten (also von in Fahrtrichtung rechts) eingesetzt werden, sonst fließt das Öl nicht in die Gleitlager. Eine aufgebrachte Markierung mit dem Edding hilft zu wissen wie die Achse ungefähr sitzen muss, damit die Schrauben auf die planen Flächen treffen. Bitte nicht einfetten, es steht in allen MZ-Handbüchern: Für die MZ Schwingenbolzen nur Getriebe- oder Motoröl nehmen.


Werbung



Auf Verdacht gekauft vermutete ich richtig: Die alten Scheiben sind um ein paar Zehntel eingelaufen und haben Fressspuren. Genau diese Zehntel summieren sich bei 4 Scheiben aber beidseitig auf 8 x ein paar Zehntel. Dies hat zur Folge, dass man die Schwingen - Achse entsprechend stärker zusammenziehen muss um das Spiel auszugleichen. Ein einziger Milimeter mehr macht sich durch die Länge der Schwinge so ganz deutlich beim nächsten Vorderradausbau bemerkbar: Die Trommelbremse samt Vorderrad passt plötzlichlich nicht mehr "schmatz" zwischen die nun um einige Millimeter zu eng zusammengequetschte Schwinge und muss quasi vorgespannt eingebaut werden. Und das bei der sensibelsten Trommelbremse der Welt, die eh schon mit Bremsleistung geizt und superpenibel eingebaut werden muss... mit vier neuen Scheiben war der Spuk bei mir jedenfalls vorbei.


Die Schrauben in den reparierten Gewinden werden zunächst ganz locker angezogen, da sich die Achse selbst beim Anziehen der großen Muttern noch ein paar Zehntel verschieben können muss. Die Schwinge soll so fest gezogen werden, das sie ohne Vorderrad nur durch Ihr Eigengewicht gerade noch nach unten fällt. Wie gesagt, ich habe das Vorderrad drin gelassen und für diesen Test nur kurz die Federbeine demontiert. Das Rad fiel bei mir also mit ganz leicht spürbarem Widerstand herunter. Das Ganze muss sich ja auch noch etwas einspielen und wird mit der Zeit wieder etwas nachgeben. Erst danach habe ich die Schrauben mit den reparierten Gewinden vorsichtig angezogen, gekontert und mit einer Spritze ein paar Mililiter Getriebeöl in die Hohlachse für die Lager gefüllt. Sind diese wirklich verschlissen, sollte man die Schwinge ausgebaut zu einem MZ-Händler schicken, da dann neue Lager-Hülsen eingepresst werden müssen.


Optisch glaubt einem der TÜV-Onkel bei der nächsten HU auch gleich, dass man neue Lager eingesetzt hat. Aber es geht hier ja wirklich um Eure eigene Sicherheit, denn das deutlich spürbar bessere Fahrverhalten der MZ ist nach dieser Kur nicht wieder zu erkennen. Die Gabel spricht besser an, das Motorrad zirkelt viel präziser um die Kurven, kein mulmiges Gefühl mehr beim Bremsen in Schräglagen, das Vorderrad rubbelt nicht mehr bei Gewaltbremsungen und wenn man über einen Bordstein fährt gibt es keine Knackgeräusche mehr! So schön kann man mit vorderen Schwinge fahren - wusste ich bisher gar nicht.



Benötigtes Werkzeug und Teile für die Schwingen-Instandsetzung bzw. Gewindereparatur

Bohrmaschine mit Dampf inkl. Stromanschluss
Gewindereparatursatz mit passendem Bohrer, Eindrehwerkzeug & mind. zwei Gewinde-Einsätzen für M8 Schrauben
Zwei passende Schlüssel oder große Engländer bzw. Stecknüsse für die großen Muttern der Schwingenachse
Seil oder Draht, um den Lenker voll eingeschlagen festzubinden
Handfräser für die erste Phase um den Bohrer leichter zu zentrieren (geht sicherlich auch ohne)
Vier Anlaufscheiben mit vier neuen Dichtungen, zwei M8 x 25 o. 35 Schrauben
Ein paar Mililiter Motor- öder Getriebeöl aus einer Ölpresse oder einer einfachen Einwegspritze
Sind die Schwingenlager-/ buchen verschlissen, sollte man nach meinen Informationen die Schwinge ausbauen
     und zu einer MZ-Werkstatt schicken um dort neue Lager einpressen und entsprechend aufhohnen zu lassen.
Hinweis: Die Reparatur dauert ca. 2-3 Stunden und kann allein durchgeführt werden


Weiter zu MZ Vergaserreinigung